Kleine Erfolge – von Gelben Säcken, Ausrastern und Spülbürstenberatungen

Recycling, Plastik vermeiden, Zero Waste

Seit knapp einem halben Jahr versuche ich jetzt meinen Plastikmüll zu reduzieren. Und endlich – so langsam stellen sich Erfolge ein :) Ich bin ganz stolz, ich habe mich von einem anfänglichen vollen Gelben Sack nach 2 Wochen, über einen Sack im Monat, zu einem Sack in 8 Wochen hingearbeitet. Juchu!

Klar, darüber kann ein eingefleischter Zero Wasteler mit seinem Marmeladenglas voller Müll nur müde lächeln. Aaaber ich bin ja noch ganz am Anfang und der Müll wird weniger und das ist es doch was zählt! Die kleinen Erfolge, die motivieren, weiter zu machen. :) Gerade wenn man von rechts und links belächelt wird für das was man tut.  

Plastikmüll vermeiden, 1 Gelber Sack in 8 Wochen

Am schwierigsten finde ich es noch bei Lebensmitteln auf Plastik zu verzichten. Bei mir in der Nähe gibt es leider keinen verpackungsfreien Laden und so bin ich drauf angewiesen viel in Gläsern oder Pappe zu kaufen. Oft hilft auch einfach nur selber machen. Und Städtetrips gehen neuerdings auch fast immer in Städte, wo es einen unverpackt Laden gibt. Man muss sich eben zu helfen wissen :).

Jedenfalls fordert mich die Abwesenheit eines solchen Ladens ganz schön heraus und lässt mich häufig doch noch zu Plastik greifen, weil ich eine Alternative schlicht und ergreifend noch nicht gefunden habe. Und gerade in dem Moment auch nicht darauf verzichten kann will. Im Nachhinein ärgere ich mich dann meistens, weil ich eben doch hätte drauf verzichten können. Aber auch daraus lernt man ja :).

Ganz viele Produkte, zu denen es keine Alternative ohne Plastik gibt bzw. nur das aufwändige Selbermachen in Frage käme, kaufe ich so gut wie nur noch reduziert kurz vorm Ablaufen. Zum Beispiel Blätterteig oder Gnocchi gibt’s öfter mal bei meinem Denn’s in der reduziert-Ecke. Und damit kann ich gut leben. Einfach, weil ich weiß, dass die Sachen ohnehin im Müll landen würden – mitsamt der Verpackung. Wenn ich sie kaufe landet dann wenigstens nur die Verpackung im Müll, nicht der Inhalt.

Aus der reduziert-Ecke kaufe ich übrigens auch meinen Käse. Da liegen fast immer kleine Stückchen von der Käsetheke, umwickelt mit Frischhaltefolie, die um 20% oder 50% reduziert sind, weil sie bald ablaufen. Traurig eigentlich. Käse ist bei mir allerdings aktuell gar nicht mehr so Thema, weil ich ziemlich gut ohne auskomme und mich gerade durch sämtliche vegane Aufstriche (im Glas bzw. selbstgemacht) probiere.

Zero Waste oder vegan?

Da kommen wir auch schon zum nächsten Problem. Ich bin komplett auf Pflanzenmilch, Sojajoghurt und fast ganz auf Hafersahne umgestiegen. All diese Dinge gibt es aber einfach nicht in Gläsern. Leider! Warum eigentlich? Ein Zurück zu Milchprodukten steht aber nicht zur Debatte, also möchte ich mich unbedingt ums Selbermachen kümmern. Die Haltbarkeit ist dann aber ein Problem, schätze ich. Das hält mich ehrlich gesagt noch ein wenig davon ab.

Tja, das ist das blöd, wenn man mehrere Baustellen hat. Dann geht alles eben langsam und nur so nach und nach.

Generell versuche ich ja nicht zu belehren, einfach meinen Kram durchzuziehen und kein großes Ding daraus zu machen. Dadurch dass ich aber oft einen Seitenhieb reinkriege, gerade in der Familie passiert das ständig, einen Kommentar von wegen „oh, dass ich eine Kaspelkaffemaschine habe darf ich ja jetzt hier gar nicht erzählen“, schubst mich immer unfreiwillig ins Rampenlicht in den Rechtfertigungsmodus und ist auf Dauer irgendwie ziemlich anstrengend und ermüdend.

An mein Vegetariersein haben sie sich langsam alle gewöhnt (nach über drei Jahren) und jetzt kommt wieder was neues, spezielles. Auch wenn das natürlich zeigt, dass das Thema allgegenwärtig ist und sich schon viele Gedanken darum machen. Das ist schön! Ich glaube, diese Kommentare und kleinen Piekser hängen auch oft mit dem schlechten Gewissen zusammen, dass sich meldet, aber doch nicht so richtig ins Bewusstsein dringt.

Lebensmittelverschwendung stoppen

Manchmal gelingt mir das mit dem nicht-belehrend-wirken auch nur so mäßig gut und ich breche durch irgendeinen Anlass doch wieder eine Diskussion vom Zaun. Neulich im Café war es die angegessene Mohnschnecke eines Bekannten, der partout nicht einsehen mochte was für eine Verschwendung es ist die Reste wegzuwerfen. Über sowas kann ich mich dann schon mal aufregen. Auch wenn das eigentlich nichts nützt und nur den Trotzkopf wach kitzelt. Letztendlich habe ich dann selber den Mohnschneckenrest in die unbenutzte Serviette gewickelt und mitgenommen.

Ganz selten gibt es aber auch Situationen, da klappt es mit dem Einmischen und dem wachrütteln. Da ist es dann richtig schön wenn man ganz vorsichtig mal einen kleinen Stups in die richtige Richtung geben kann, der dann auch wirklich dankbar angenommen wird.

Es ist schon ein bisschen her, da war ich einkaufen und stand vor dem Regal mit den Bürsten rum, auf der Suche nach einer Flaschenbürste. Neben mir eine Dame, so um die 60, und offensichtlich sehr unentschlossen welche Plastikspülbürste sie kaufen soll.

Ich dachte mir dann so: „Hey, komm machst du sie einfach mal auf die Holzbürsten aufmerksam, was soll schon groß passieren.“ Ich hab mir dann wirklich ein Herz gefasst und gleich zwei Trümphe aus der Tasche gezogen: günstiger und biologisch Abbaubar!

Und wirklich, ganz ohne blöden Kommentar war die Frau begeistert „ja stimmt, immer dieser olle Plastikmüll!“ und hat tatsächlich die Holzbürste genommen! :)

So, ich hoffe euch gefällt dieser kleine Einblick/Rückblick in meine letzten plastikfreieren Monate :).

11 Gedanken zu „Kleine Erfolge – von Gelben Säcken, Ausrastern und Spülbürstenberatungen

  1. Ica

    Hallo, ich befinde mich ähnlich wie du in einem Dilemma: plastikfrei + vegan = fast unmöglich. Aufstriche gibt es, aber bei Milch, Sahne und Joghurt hat man verloren. Nussmilch mache ich zwischenzeitlich ausschließlich selbst, aber an das Joghurt traue ich mich nicht ran. Verstehe auch nicht, warum es das einfach nicht im Pfandglas gibt… Ich greife momentan auf den „traditionellen“ Kuhmilchjoghurt im Pfandglas zurück und habe den Konsum deutlich reduziert… Eine wirkliche Lösung ist das allerdings nicht. Drücke uns die Daumen, dass die Hersteller veganer Lebensmittel schnell umdenken und ein Pfandsystem einführen!
    Viele Grüße,
    Ica

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    1. einbisschengrüner

      Hallo Ica,
      vielleicht sollten wir uns zusammen tun und einfach selber vegane Produkte plastikfrei im Pfandglas produzieren und vertreiben. Das Geschäft würde bestimmt ganz gut laufen :D. Sojajoghurt soll man wohl ziemlich einfach machen können, in dem man welchen kauft und einen Teil davon mit Sojamilch streckt und gären lässt. Das Ding ist, dass man dann die Sojamilch ja auch erstmal noch selber machen muss und dafür müssen auch erstmal plastikfreie Sojabohnen her. Ach man, wieviel Plastik ich sparen könnte, wenn der ganze Kram weg fallen würde… Aber zum Beispiel Quark, Schmand, Creme Fraiche etc. gibt es auch nicht im Pfandglas. Das kann ich auch nicht verstehen.Da muss sich ganz gewaltig noch was tun! Die Daumen sind sowas von gedrückt!

      Liebe Grüße
      Caro

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      1. Fussel

        Ich denke inzwischen bei Schmand oder Creme Fraiche im Pfandglas etwas anders. Das Problem ist nämlich, dass bei den Pfandgläsern wirklich nur die Gläser wiederverwendet werden, nicht aber die Deckel. Die Deckel haben auch einen Kunststoffanstrich und zusätzlich noch die Dichtung im Deckel. Dazu kommt die Energie für die Herstellung und das Recycling des Metalls.
        Wenn ich dagegen Creme Fraiche aus dem Bioladen im Plastikbecher kaufe, ist da nur ein hauchdünner Plastikinnenbecher, die Stabilität kommt aus der Pappschicht außenrum. Der Innenbecher ist dermaßen leicht, daß es m.E. wieder vertretbar ist. Mein Favorit ist Schmand oder Creme Fraiche aus dem Unverpackt-Laden, aber wenn’s da nicht zu bekommen ist, kaufe ich inzwischen wieder die Plastikbecher.
        Milch in der Pfandflasche ist da schon wieder was anderes – da ist das Verhältnis von Inhalt zur Deckelgröße deutlich besser.
        Übrigens werden viele Sachen auch in den Unverpackt-Läden in Plastikgefäßen angeliefert und viele davon sind keine Pfandgefäße :-/

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  2. widerstandistzweckmaessig

    Hallo!

    Ich mache inzwischen Walnussmilch selber, das ist wirklich sehr einfach und gar nicht aufwändig. Sie hält 1/2 Woche im Kühlschrank, d.h. ich mache 2 x pro Woche Walnussmilch. Das ist voll ok finde ich.

    Anleitung und Rezept sind hier zu finden

    https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/2015/09/24/selbst-gemacht-statt-selbst-gekauft-walnussmilch/

    Um das Problem mit dem Müll zu reduzieren, verwende ich mittlerweile ganz viele Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden. Foodsharing ist da ein heißer Tipp!

    lg
    Maria

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    1. einbisschengrüner

      Hallo Maria,
      puuuuh also zwei mal in der Woche finde ich jetzt schon ganz schön oft. Mal sehen, ob ich eine Möglichkeit für mich finde. Und wenn es nur alle zwei Wochen mal die selbstgemachte Pflanzenmilch ist, das bringt ja auch schon eine Müllersparnis.
      Foodsharing ist super! Der Fairteiler ist zum Glück direkt in der Uni – sehr praktisch. Da schaue ich auch öfter mal vorbei. Und das Kaufen von reduzierten Sachen kurz vorm Ablaufen ist ja quasi die Vorstufe davon!
      Liebe Grüße
      Caro

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  3. kleinpip

    Diese spitzen Kommentare kenne ich nur zu gut! Das nervt echt. Was auch immer damit bezweckt werden soll…
    Ich schwanke außerdem oft zwischen den beiden Optionen, die Oberlehrerin zu spielen oder lieber auf die Wirkung meines „stillen Vorbilds“ zu setzen.

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    1. einbisschengrüner

      Schön, ich bin nicht die einzige! :) Ich weiß es auch nicht… Vielleicht der Drang danach zu beweisen, dass man sich Gedanken macht und das doch bitte zu würdigen ist.
      Die „Oberlehrerin“ finde ich eigentlich ganz furchtbar. Aber trotzdem passiert es mir. Und ich versuche echt daran zu arbeiten und das abzustellen. Ich wünsche uns beiden viel Erfolg dabei :D

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  4. Markus

    Sehr schöner Artikel und für mich, versuche auch gerade meinen Plastikmüll zu reduzieren, eine schöne Motivation zu sehen, dass es klappen kann!
    Die Spitzen und Sprüche innerhalb der Familie zu Vegetarier sein kenn ich auch, manchmal etwas nervig aber ich glaube, eher in den seltensten Fällen Böse gemeint ;)

    Gefällt 2 Personen

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