Alternative Haarpflege #1 | Shampoo-Alternativen

Alternative Haarwaschmethoden (no 'poo) ohne Plastik

Die Haare, ein schwieriges Thema, selbst ohne den Gedanken der Plastikvermeidung. Ich denke, da kann jede Frau ein Lied von singen. Und eben weil die Sache so komplex ist, gibt es von mir auch gleich zwei Artikel dazu und einige Updates werden wahrscheinlich auch noch folgen. Heute geht es erstmal um natürliche Alternativen zum herkömmlichen Shampoo. Für Alternativen zum Conditioner und die Pflege nach dem Waschen geht’s hier entlang.

Warum überhaupt kein Shampoo?

In die herkömmlichen Shampoos wird so viel Mist gemischt, den ich mir einfach nicht mehr ins Haar schmieren wollte. Silikone, hormonähnliche Stoffe, Mikroplastik und Unmengen an anderer aggressiver Chemie werden uns als Wundermittel für mehr Volumen und eine super tolle Haarstruktur verkauft. Dabei sind sie nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern vor allem auch schädlich für Haut und Haare. Vor ungefähr einem Jahr habe ich deshalb angefangen rumzuexperimentieren und von noch-nicht-mal-Naturkosmetik-Shampoo auf alternative Haarwäsche umzustellen, auch no ’poo genannt (von no shampoo). Man sollte sich da echt nichts vormachen, der Umstieg dauert und es kann ziemlich mühsam sein, die richtige Methode für den eigenen Kopf zu finden! Denn es braucht seine Zeit, bis die Haare wieder einen eigenen Schutzmantel aus Fett aufgebaut haben, der jahrelang durchs Shampoo feinsäuberlich und systematisch zerstört wurde. Dazu gehören eben leider auch die anfänglichen dauerfettigen Haare, bis sich die Fettproduktion der Kopfhaut wieder auf ein normales Maß eingependelt hat.

Aber es lohnt definitiv: keine aggressive Chemie mehr auf der Haut und im Abwasser und gesündere, schönere Haare noch dazu!

Natürliche Alternativen zu Shampoo

Nachdem ich mit Natron + Apfelessig, Luvos Heilerde + Apfelessig, Lavaerde + Apfelessig angefangen hatte und dann mit Roggenmehl experimentiert habe, bin ich jetzt bei Haarseife (+ Zitronensaft/Kräuterspülung) hängen geblieben. Es gibt aber auch feste Shampoobars, wo quasi einfach die Flüssigkeit entzogen wurde. Wenn man wirklich keine aggressive Chemie will, sollte man die Inhaltsstoffe genau studieren, weil sie oft die gleichen sind wie im normalen Shampoo nur eben ohne Wasser.

Dazu habe ich neulich die INCI-Suche auf cosmetic-check.com entdeckt. Das ist eine echt super gute Funktion, die einem in Smileys ausdrückt wie gut einzelne Inhaltsstoffe sind. 

Haarseifen mit den verschiedensten Düften, Inhaltsstoffen und Überfettungsgraden gibt es von unterschiedlichen Herstellern, wie zum Beispiel Wolkenseifen/Vegane Pflege oder Savion (beide plastikfrei mit Papierbanderole). Viele nehmen auch Alepposeife (Olivenölseife mit Lorbeeröl), das werde ich auch noch mal ausprobieren. Die Haare reagieren sehr stark auf diese Unterschiede, weshalb man sich ruhig ein bisschen durchprobieren und nicht gleich aufgeben sollte, wenn es beim ersten Versuch noch nicht klappt. Bei Savion gibt es dazu für den Start extra ein Probeset mit Ministücken in 4 unterschiedlichen Sorten. Ich weiß nicht, ob das bei den anderen Herstellern auch der Fall ist. Aber man kann die Seife ja auch immer noch für den Körper aufbrauchen, wenn die Sorte fürs Haar nicht passt. Ich benutze eine Savion-Seife, einfach aus dem Grund weil es sie bei einem kleinen Naturkosmetikladen hier in Oldenburg (Terra Natura) zu kaufen gibt und ich so nicht extra bestellen muss (auch wenn Savion komplett plastikfrei liefert). Die Seife benutze ich so, dass ich meine Haare nass mache und mit mit dem Seifenstück in Wuchsrichtung über die Haare fahre. Dadurch ist sie sehr ergiebig und hält einige Monate. Hinterher mache ich oft noch eine Zitronensaftspülung aus geretteten Zitronen oder Limetten vom Foodsharing oder eine Kräuterspülung. Die brauche ich aber nicht jedes Mal.

Alternative Haarwäsche (no 'poo) mit HaarseifeNatürliche plastikfreie Alternativen zu Shampoo

Meiner Kopfhaut geht es jetzt viel besser, meine Haare sind gesünder und ich muss sie weniger oft waschen. Ich finde auch, sie haben mehr Volumen und endlich habe ich die leichten Wellen in den Enden, die ich mir immer gewünscht habe. Das kann zwar auch am neuen Schnitt liegen, aber ich habe schon von einigen gehört, dass sich durch die alternative Haarwäsche die Haarstruktur verändert hat und die Haare anders liegen.

Mein Weg zur Haarseife

Angefangen hat alles mit Natron + Apfelessigspülung. Das funktionierte einigermaßen, aber auf Dauer war ich davon nicht begeistert. Deshalb habe ich mein Glück dann mit Heilerde und Lavaerde versucht. Die Lavaerde wollte ich zunächst nicht benutzen, weil sie aus Afrika stammt. Und wozu Erde einfliegen lassen, wenn es auch Heilerde aus Hessen sein kann – die zudem auch noch günstiger ist. Also habe ich die „Luvos Heilerde hautfein“ ausprobiert. Die funktionierte leider überhaupt nicht, dann also doch die Lavaerde + Apfelessigspülung.

Haarwäsche mit Lavaerde

Das Waschen ging damit erstmal ganz gut: die Haare wurden ganz gut sauber, waren recht griffig. Mit der Zeit wurden allerdings die Spitzen sehr trocken und Kopfhaut fühlte sich im Großen und Ganzen irgendwie unsauber an. Außerdem waren die Haare am Ende fast gar nicht mehr kämmbar. Ich bin dann erstmal doch wieder auf Natron umgeschwenkt. Alles normalisierte sich recht gut, aber trocken waren die Spitzen immer noch und das Unterhaar fast nie 100%ig fettfrei.

Zusätzlich hat mich dann noch der Essiggeruch tierisch gestört. In den trockenen Haaren hat man ihn nicht gerochen, aber jedes Mal wenn meine Haare nass wurden, ist er richtig aufgeblüht.

Ich war dann schon ganz ganz kurz davor, wieder zu Shampoo wechseln – Naturkosmetik aber dieses Mal – denn die ganze Geschichte hing mir dermaßen zum Hals raus.

Dann habe ich aber dem Roggenmehl-Shampoo noch eine Chance gegeben.

Roggenmehl-Shampoo

Moment, Roggenmehl? Ja, das geht wirklich! Roggen enthält viele Vitamine, Mineralien und Aminosäuren und auch Pantothensäure. Die wirkt regenerierend, wundheilend, glättend und entzündungshemmend und ist sehr schonend und verträglich, weshalb sie auch gerade gut für empfindliche Haut, wie z.B. Babyhaut ist. Und weil das Roggenmehl den gleichen pH-Wert hat wie Haut und Haar, kann man sogar auf die Apfelessigspülung hinterher verzichten.

Überhaupt hat diese Methode eigentlich nur Vorteile:

  • sanft zur Haut 
  • trocknet nicht aus
  • unschlagbar günstig
  • plastikfreie Verpackung bzw. verpackungsfrei, sofern man das Mehl in der Papiertüte oder in der Mühle kauft
  • regional
  • mikroplastikfrei 
  • tierversuchsfrei und vegan
  • kein ekliger Apfelessig-Geruch

Haare natürlich waschen mit Roggenmehl-Shampoo

Warum ich trotzdem Haarseife benutze

Mit dem Roggenmehl-Shampoo war ich grundsätzlich echt zufrieden. Meine Kopfhaut hat überhaupt nicht gejuckt und Schuppen hatte ich auch keine, meine Haare sind schön sauber geworden und fühlten sich gesund an. Aber – egal wie fein das Mehl war das ich genommen hatte, ob Vollkorn oder nicht – die Kleie habe ich einfach nicht ausgewaschen bekommen. Die musste ich immer aus den fast trockenen Haaren ausschütteln, was auf Dauer auch nicht so wirklich praktikabel war. Viele haben dieses Problem, viele haben dieses Problem nicht. Es ist sehr seltsam und ich konnte noch nicht herausfinden, woran es liegt, was wirklich schade ist!

Deshalb meine Empfehlung an euch: Probiert das wirklich einfach mal aus, vielleicht klappt es ja. Und wenn nicht, dann macht ihr eben Pfannkuchen oder Brot aus dem Mehl :).


Roggenmehlshampoo – so geht’s: 

Am Abend vor dem Duschen ca. 2 gehäufte Esslöffel Roggenmehl mit Wasser zu einer Art Gel verrühren. Man muss das Mehl nicht unbedingt die ganze Nacht über einweichen, aber so ein, zwei Stunden sollten es schon sein, damit auch die gröberen Bestandteile des Mehls schön weich werden. Beim Anrühren sollte man darauf achten, dass möglichst keine Klümpchen entstehen. Ich gebe das Gel dazu ein Glas mit Deckel und schüttele es schön durch oder rühre es mit einem Löffel ordentlich durch.

Dann die Haare ordentlich nass machen und das „Shampoo“ einmassieren und vor allem den Ansatz und die Kopfhaut ordentlich durchschrubbeln. 

Ich wasche die Haare dann aus und bearbeite die besonders stark fettenden Stellen, wie Hinterkopf, Stirn und hinter den Ohren noch einmal, damit auch wirklich alles sauber ist.

Danach die Haare gut auswaschen! 

Die Apfelessigspülung braucht man bei dieser Methode übrigens nicht, weil Roggenmehl den gleichen pH-Wert hat wie Haut und Haar. Wer aber den lieblichen Essiggeruch vermisst, darf natürlich trotzdem gerne. Gut fürs Haar ist es auf jeden Fall!

Achtung: Andere Mehlsorten funktionieren nicht, da sie durch einen höheren Glutengehalt im Haar kleben bleiben würden! 


Wie genau ich meine Haare nach dem Waschen mit Shampoo pflege, erfahrt ihr im zweiten Teil meiner kleinen Haarserie :).

Und hier gibt es alles über die Kräuterspülungen, die ich besonders gerne mache.

23 Gedanken zu „Alternative Haarpflege #1 | Shampoo-Alternativen

  1. Nicole

    Ich hab heute gerade zum ersten Mal das feste Shampoo „Montalbano“ von Lush verwendet. Dabei ging es mir in erster Linie mal darum, weg von Shampoo in Plastikflaschen zu kommen. Nun bin ich gespannt, wie sich das entwickelt und wie es meinen Haaren gefällt.

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    1. einbisschengrüner

      Ich bin eher kein Freund von Lush, weil sie obwohl sie mit Natürlichkeit etc. werben oft trotzdem Chemie in ihren Produkten verwenden. Um Plastik zu sparen ist es natürlich eine Möglichkeit. Ich teste jetzt aber auch gerade ein festes Deo von denen (Inhaltsstoffe vorm Kauf akribisch im Internet gecheckt und für gut befunden :D) und bin bis jetzt ziemlich zufrieden.

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  2. tina

    Hallo, enthält die savion seife nicht palmöl? Ich habe gerade meine erste shampooseife aufgrbraucht. Die war von manna und davon war ich schon sehr begeistert😊 alepposeife probiere ich als nächstes aus.

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    1. einbisschengrüner

      Von der Savion-Homepage: „Liebe Leser,
      wir haben es bald geschafft. Alle Seifen werden ohne Palmöl hergestellt. Ausnahme sind gerade noch die Rose, Ingwer-Zimt und die Ziegenmilch Körperseife. (Stand 22.02.2016) EIne Brandrodung des Urwaldes haben wir schon immer ausgeschlossen, da wir Palmöl eines renommierten Lieferanten beziehen, den wir um eine Stellungnahme zu der Problematik gebeten haben.
      Diese können Sie folgend im Originaltext lesen: […]“ In den Ausnahmen handelt es sich um Bio-Palmöl. Schön, dass es für dich auch funktioniert! :)

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  3. Pingback: Alternative Haarpflege #2 | Spülungen und Pflege nach dem Waschen – einbisschengrüner

  4. Kaddi

    Ich habe mir die Tage auch die Savion-Testerseifen bestellt.
    Ich bin begeistert, rinse bei meiner Kurzhaarfrisur auch nicht, da die ruhig ein bisschen Stand kriegen darf. Da wir kein hartes Wasser haben, dürfte ich ja auch mit Kalkseife keine Probleme bekommen.
    Da auch Seifen für eher fettiges Haar dabei sind, mache ich gerade Haarwasch-Experimente mit meinem Teenagersohn (12) und der Citrusseife… (Aber irgendwie weiß der undankbare Kerl meine Kopfhautmassage gar nicht zu schätzen… ;-))
    Liebe Grüße,
    Kaddi

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      1. Kaddi

        Ach, ich strebe ja nicht gleich eine Umstellung an – bei Teenies (ich weiß, mit zwölf ist er ja eigentlich noch gar keiner, sieht aber schon so aus und hört sich so an ;-)) muss man da ja sehr behutsam vorgehen, damit sie nicht gleich das Gegenteil wollen…
        Nee, der soll beim Duschen noch sein eigenes Wasauchimmer-Shampoo nutzen, aber ich wollte einfach mal die Wirksamkeit der Seife gegen fettige Haare testen!
        Mein nächstes „Umstellungsopfer“ ist da erst mal mein Mann, der wird da auch bereitwillig mitmachen… :-D
        Die Haarseife funktioniert ja auch und riecht so gut!

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  5. Pingback: Kräuterspülung für die Haare | natürlich, plastikfrei & schnell gemacht – einbisschengrüner

  6. Ann-Kathrin

    Ein sehr interessanter Artikel. Ich habe das richtige Shampoo noch nicht gefunden bzw. bin noch in der Experimentierphase. Vor Kurzem habe ich mir zwei verschiedene Haarseifen gekauft, die ich bald ausprobieren möchte. Und auch ein Heilerde Shampoo von Luvos wartet noch auf seinen Einsatz.

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  7. Julia

    Hey :-) Ich habe auch längere Haare, etwa deine Länge und komme mit dem Roggenmehl-Shampoo bisher ganz gut klar. Was den größten Unterschied für das Auswaschen macht? Das Roggenmehl-Gemisch lange genug stehen lassen, damit wirklich alle Klümpchen weg sind. Am Besten übernacht im Kühlschrank „ziehen“ lassen. Mindestens aber 2h :) Vllt klappt es so bei dir besser!

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  8. Johana

    Ich liebe die Roggenmehl-Methode.
    Verwende Vollkornmehl (da dies mehr Vitamine und Mineralstoffe hat als normales), sogar ziemlich grobes (da dieses weniger schnell fett aufsaugt als feines Mehl) und lasse es meist nur 1-2 Minuten ziehen, weil ich immer vergesse, es früher herzurichten.
    Meine Haare sind hüftlang (also an der Länge liegt das Nicht-auswaschen-können eher nicht), leicht lockig.
    Ich dachte am Anfang auch, dass ich aufgeben, weil ich nach jedem Waschen Mehlschuppen hatte.
    Aber irgendwann hatte ich Dreh raus: Haare mit kühlem Wasser auswaschen (oder im Sommer gerne auch mal relativ kalt – super erfrischend), dann mit einem sehr groben Kamm die klatschnassen Haare sanft entwirren und nochmal kühl spülen (ev. gleichzeitig noch 3-4 Mal mit dem Kamm durch). Durch das Kämmen sind die Haare alle parallel angeordnet und es sind keine „Haarkrezungen“ da, wo die Mehlbrösel hängen bleiben könnten.

    Vielleicht klappts so, falls du es nochmal probieren willst :)

    LG
    Johana

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  9. Christine

    Ich benutzte seit ca. 4 Monaten die Haarwaschseife Melisse von Savion und bin total begeistert. Da wir relativ hartes Wasser haben spüle ich die Haare nach dem Waschen mit einer Rinse aus ca. 3/4 EL Apfelessig auf 1l Wasser aus. Bisher hat das sehr gut funktioniert. Die Haare bleiben deutlich länger frisch und fetten weniger als bei meinem alten, herkömmlichen Shampo. Letzte Woche war ich allerdings beim Frisör. Der hat meine Haare dann wieder mit irgendeinem Sahmpoo gewaschen und jetzt habe ich das Gefühl die Haare fetten wieder schneller. Wie machst du das beim Frisör? Sagst du sie sollen die Haare nur nass machen und nicht mit Shapoo waschen?
    LG Christine

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    1. Caro

      Super, dass das bei dir auch so gut funktioniert! Ich bin seit Jahren nicht beim Frisör gewesen – ich war jedesmal danach extrem unzufrieden. Deshalb habe ich angefangen mir selber die Spitzen zu schneiden und letztens hat mir ein Freund einen Bob verpasst. Geht alles ;) Da ich mir beim Frisör noch nie die Haare hab waschen lassen, ist es für mich ganz normal einen Trockenschnitt zu bekommen. Meistens sprühen sie die Haare dann nur ein um sie etwas zu beschweren – in den meisten Fällen ist das ohnehin nur Wasser aber da sollte man dann noch mal fragen. Ansonsten hast du ja vielleicht einen Naturfrisör in der Nähe :)

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