Von Blumenerde, Torf und dem Klimawandel + 1 Tipp für plastikfreie Blumenerde

Torffreie Blumenerde schützt die Moore und das Klima

Jetzt wo der Frühling ganz kurz davor ist die Welt in frisches Grün zu tauchen, die Vögel morgens schon ganz fleißig zwitschern und die ersten Frühblüher in Gärten und Töpfe wandern, ist es endlich Zeit für diesen Artikel hier, der mir schon den ganzen Winter unter den Nägeln brannte. Während die Blumentöpfe aus dem Keller gekramt und, nach Farbe und frischem Grün lechzend, mit Veilchen, Tulpen und Narzissen bepflanzt werden, verschwendet wahrscheinlich kaum jemand einen Gedanken daran, dass die Blumenerde die gerade unter den Fingernägeln kleben bleibt, zu großen Teilen aus Torf besteht. Torf, der aus Mooren stammt, die durch dessen Abbau unwiderruflich zerstört wurden.

Und das ist jetzt kein kleines Problemchen, was ein paar Moore betrifft. Nein, etwa 99% aller Moore wurden durch Entwässerung zerstört – zur Nutzung als landwirtschaftliche Flächen oder für den Torfabbau. Früher wurde der Torf zum Heizen verwendet, heute wandert er vor allem in die stinknormale Blumenerde, die es im Supermarkt, Baumarkt und Gartencenter zu kaufen gibt.

Wie schadet der Torfabbau dem Klima?

Torf entsteht in Mooren, wo ein hoher Wasserspiegel das organische Material durch Luftabschluss am Verrotten hindert, wodurch es sich weiter und weiter aufschichtet. Bei diesem Prozess wird der Atmosphäre sehr viel CO2 entzogen und im Torf gebunden. Wird das Moor nun entwässert und der Torf abgebaut, sinkt der Wasserspiegel, was zu einem Abbau des angesammelten organischen Materials führt, wobei die gespeicherten klimaschädlichen Gase wieder freigesetzt werden – nicht nur CO2, sondern auch Lachgas (N2O), das 300x klimaschädlicher ist als CO2 und 12x schädlicher als Methan. So wird durch die landwirtschaftliche Nutzung der entwässerten Moorböden jedes Jahr ca. ein Fünftel der Treibhausgas-Emissionen des Verkehrssektors frei.

Torffreie Blumenerde trägt zum Moorschutz bei

Die Entwässerung führt außerdem dazu, dass sich das sonst so stark wasserhaltige, saure und nährstoffarme Milieu des Moorbodens ändert, wodurch die biologische Vielfalt der sehr seltenen und speziell an diesen Lebensraum angepassten Pflanzen und Tierwelt extrem abnimmt. Dieses wunderbar federnde Gefühl unter den Füßen, weiches Moos, wunderschöner Sonnentau und Wollgras, das seine weißen Wattebausche im Wind wiegt – ist dann nicht mehr!

Wozu brauchen wir die Moore überhaupt?

Moorschutz ist Klimaschutz

Nur 3% der Landfläche der Erde ist mit Mooren bedeckt. In diesen 3% wird aber so viel CO2 gebunden wie in allen Wäldern. So tragen Moore ganz wesentlich zur Minderung des Treibhauseffektes bei. Ihr enormes Wasserspeichervermögen dient dem Hochwasserschutz und auch für unsere Trinkwasserversorgung sind Moore enorm wichtig. Sie können nämlich Schadstoffe aus Ökosystemen herausfiltern und tragen mit dieser Reinigungskraft zu einer Neubildung von sauberem Grundwasser bei.

Blumenerde ohne Torf und Plastik

Man könnte sich jetzt sagen, okay der Klimawandel muss unbedingt aufgehalten werden, ich stelle alle Moore unter Schutz und versuche möglichst viele der bereits zerstörten durch Wiedervernässung zu renaturieren. Das wird auch gemacht, aber Torf wächst mit einer Mächtigkeit von etwa 1mm pro Jahr, das heißt es dauert 1000 Jahre bis 1m Moorboden entsteht. Das ist eine wirklich lange Zeit! Ein weiteres großes Problem ist, dass der Torf in großen Mengen aus Osteuropa importiert wird, wo die Umweltschutzauflagen nicht so hoch sind. Und gerade deswegen sollte man diesen simplen Schritt wagen und torffreie Blumenerde kaufen.

Blumenerde ohne Torf

Ich habe schon welche bei Toom und Obi gesichtet (wie zum Beispiel die auf dem Bild), vom BUND gibt es dazu aber auch einen Einkaufsratgeber.

Leider ist die Erde im Baumarkt ja immer in Plastik verpackt. Eine Lösung für Blumenerde ohne Torf und ohne Plastik ist der Recyclinghof. Ein Gemisch aus Erde, Kompost und Sand zu gleichen Teilen ist nämlich auch eine perfekte Blumenerde. 

Falls ihr euch noch näher in die Thematik einlesen wollt oder denkt, ich erzähle Mist, könnt ihr euch gerne hier noch mal durchklicken. Der BUND hat das sehr ausführlich erklärt:

Mit meinem Artikel nehme ich an der Linkparade EiNaB – einfach.nachhaltig.besser.leben teil.

15 Gedanken zu „Von Blumenerde, Torf und dem Klimawandel + 1 Tipp für plastikfreie Blumenerde

  1. goldenesnix

    Sehr interessant! Das ist mal wieder so ein Gebiet wo ich mir bis jetzt keine großen Gedanken gemacht habe. Gut, ich kaufe auch nicht wirklich viel Blumenerde, aber falls ich mal wieder welche brauche werde ich darauf definitiv achten. Den Tipp mit dem Recyclinghof finde ich übrigens auch super!

    Gefällt 1 Person

  2. Klein Pip

    Hallo Caro! Danke für diesen wunderbaren Artikel, der das Torfproblem übersichtlich und doch leicht verständlich darbietet! Ich hatte mir auch schon mal überlegt, etwas zu dem Thema zu schreiben… daher meine Frage: Darf ich deinen Blogpost kommenden Freitag in meinem Blog einfach verlinken? Besser als du kann ich es ja auch nicht schreiben ;)

    Liebe Grüße,
    Pip

    Gefällt 1 Person

  3. Grünzeug

    Hallo Caro!

    Auch ich habe mir bisher über diesen Zusammenhang nicht allzu viele Gedanken gemacht. Dass die Moore trockengelegt werden und das vor allem aufgrund der gebundenen Gase ein großes Problem ist, war mit bekannt – aber ich habe nie daran gedacht, das mit der Erde in meinen (eher weniger vorhandenen) Blumentöpfen in Verbindung zu bringen. Danke, dass du mich da zum Nachdenken und Besser-Kaufen angeregt hast!
    Demnächst möchte ich das Experiment „Zimmerpflanze“ erneut starten (meine bisherigen wuchsen nach einiger Zeit merkwürdigerweise immer etwas knusprig) – da kann ich deinen Tipp gleich umsetzen!

    Liebe Grüße
    Jenni

    Gefällt 1 Person

  4. widerstandistzweckmaessig

    Hallo!

    Was für ein wichtiges Thema, danke für die vielen Informationen, die Du gesammelt und hier niedergeschrieben hast.

    Hättest Du nicht Lust diesen Beitrag bei unserer Linkparty EiNaB zu verlinken, das Thema würde super gut dazu passen.

    https://einfachnachhaltigbesserleben.blogspot.co.at/2016/03/einab-im-marz-wir-feiern-geburtstag.html

    Wir haben nun auch eine Gruppe auf FB, wo thematisch passende Beiträge wie dieser geteilt werden können.

    lg
    Maria

    Gefällt mir

  5. Pingback: Von Blumenerde, Torf und dem Klimawandel – Quark im Pfandglas

  6. Miss Green

    Wie passend! Darüber habe ich auch gerade geschrieben: https://www.facebook.com/missgreenbio/photos/a.387936464722334.1073741828.385268218322492/538728726309773/?type=3&theater Allerdings ist es bei uns nicht ganz so einfach, denn beim Kompostwerk bekommt man nur Kompost oder gedüngte Blumenerde. Blumenerde ohne Dünger oder Aussaaterde muss man entweder in Säcken kaufen oder alle Parks nach Maulwurfshügeln absuchen :-D (angeblich ist das tolle Aussaaterde).

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s