Warum ich Kleidung nur noch secondhand kaufe

Warum ich nur noch secondhand kaufe

Früher war ich eine ziemliche – naja, Konsumgöre wäre übertrieben – aber ich habe mir oft neue Klamotten gekauft. Sehr oft. Meistens bei H&M. Und ich war bestimmt mindestens alle zwei Wochen mal in der Stadt. Nicht weil ich etwas brauchte, sondern einfach so zum Bummeln. Secondhand Kleidung? Niemals! Das fand ich immer irgendwie ein bisschen unangenehm.

Inzwischen hat sich meine Einstellung dazu komplett gedreht. Seit ungefähr eineinhalb Jahren kaufe ich meine Klamotten quasi ausschließlich Secondhand. Einzige Ausnahmen: Socken, Unterwäsche und manchmal Schuhe. Wenn ich doch mal was neu kaufe, dann nur noch faire Ökomode. Ich kaufe immer noch gerne und öfter mal was neues zum Anziehen. Aber in die Stadt gehe ich nur noch, wenn ich wirklich etwas konkretes besorgen muss. Dafür findet ihr mich jetzt mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit bei der nächsten Kleidertauschparty oder auf dem nächsten Flohmarkt.

Ich würde nicht mehr Kleidung im Geschäft kaufen, die nicht öko, nachhaltig und fair produziert wurde, aber wenn sie schon da ist und ich die konventionelle Kleidungsproduktion nicht mehr durch meinen Kauf unterstütze – warum nicht? Schließlich heißt Zero Waste ja auch das zu verwenden, was schon da ist.

Secondhand? Nichts für mich!

Wer jetzt denkt: Secondhand, das ist doch alles nur so Hipsterzeug, total vintage und nur so Ommakram – überhaupt nicht!

Gerade auf Mädchenflohmärkten findet man die ganz normale alltägliche Mode in sämtlichen Stilen, die wir alle so tagtäglich tragen. Die H&M Kollektionen der letzten Jahre eben.

Bei Kleidertauschpartys oder bei Verschenkmärkten muss man Glück haben, gar keine Frage. Da sind einfach oft extrem aus der Mode geratene Teile dabei, die echt unzumutbar sind. Aber auch  dort habe ich ich schon die schönsten Teile gefunden!

Einkaufstipps für Secondhand Mode:

Flohmärkte, vor allem Mädchenflohmärkte 

Kleidertauschbörsen 

Verschenkmärkte 

Tauschpartys

Secondhandläden

Online: Kleiderkreisel, Ebay, Ubud, Verkaufsgruppen bei Facebook

Warum ich nur noch secondhand Kleidung kaufe

Grund 1: Fast Fashion ist scheiße.

Immer billiger, immer schlechter verarbeitet, immer schneller im Müll. Miese Arbeitsbedingungen, Hungerlöhne, Kinderarbeit, fiese Chemikalien die bei der Produktion verwendet werden, denen die Arbeiter/innen ohne Schutz ausgesetzt sind und die die Umwelt, besonders das (Grund-)Wasser verseuchen – das ist Fast Fashion. Das ist aber auch teure Markenmode. Eben alles, was nicht zertifizierte Ökomode ist.

Ich finde es unheimlich absurd, Menschen (und Umwelt) dafür auszubeuten, um sich das zwanzigste T-Shirt zu kaufen, dass man eigentlich gar nicht braucht, weil Äußerlichkeiten doch unwichtig sind. Da kann man sich dann rausreden mit: „Aber das sind doch die Unternehmen, die daran Schuld sind und die Arbeiter nicht vernünftig bezahlen.“ Aber es sind wir Verbraucher, die dafür sorgen, dass es soweit kommt. Denn wo die Nachfrage groß ist, ist es in der Regel auch das Angebot. Jeder Kauf oder eben nicht-Kauf ist eine politische Handlung. Mit jeder Kaufentscheidung treiben wir die Wirtschaft in eine Richtung. Jedes Mal, wenn wir ein entsprechend produziertes Kleidungsstück kaufen, dann schreien wir förmlich in die Welt hinaus: „Ich finde Kinderarbeit super! Und Arbeiter/innen, die mit nackten Füßen in Chemikalien stehen – tolle Sache! Ich will mehr davon!“ Und das lässt sich auf jegliche Art von Konsumgut übertragen: Lebensmittel, Plastik usw. Wir als Konsument haben unglaublich viel Macht, derer wir uns bewusst sein und die wir einsetzen sollten – für eine nachhaltigere und sozial bessere Welt!

Grund 2: Secondhand schont die Umwelt.

Denn nichts zu kaufen was neu hergestellt werden musste, ist einfach am ökologischsten – kein Verbrauch von Ressourcen schlägt einfach jeglichen Verbrauch einer noch so nachhaltigen Ressource!

Grund 3: Secondhand ist besser für die Gesundheit.

Secondhand Sachen haben meistens schon ein paar Waschgänge hinter sich. Das heißt, dass ein großer Teil der Chemikalien und toxischen Stoffe, die sich zu Hauf in Klamotten tummeln, schon ausgewaschen wurde. So kommt unsere Haut damit nicht mehr in Kontakt und der Körper bleibt von dem ganzen Mist verschont.

Grund 4: Secondhand ist günstiger.

Gerade nachhaltig Produzierte Öko-Kleidung ist teuer. Damit will ich nicht sagen, dass ich nicht bereit wäre für ein ökologisch und sozial einwandfrei hergestelltes Teil mehr zu bezahlen – ganz im Gegenteil! Ich bin der Meinung, dass wir, nicht nur bei Kleidung sondern besonders auch bei Nahrungsmitteln, Gutes einfach nicht mehr genug zu schätzen wissen und entsprechend nicht mehr bereit sind, einen fairen, angemessenen Preis dafür zu zahlen. Aber Ökomode geht nun einmal auf Dauer echt ins Geld. Und weil es eben doch „nur“ Klamotten, also Äußerlichkeiten sind, seh ich es inzwischen irgendwie gar nicht mehr ein so viel Geld dafür auszugeben, wenn ich sie auch für einen Bruchteil des Preises gebraucht bekommen kann.

Grund 5: Es tut nicht weh auszusortieren.

Hast du nur 3€ für ein Teil auf Flohmarkt gezahlt und es ist doch kein Lieblingsteil geworden, tut es nicht so weh es auszusortieren, als wenn es einmal 50€ gekostet hat. So kauft man eventuell mehr. Man kann aber auch mal was ausprobieren, sich etwas trauen und öfter mal den Stil wechseln. Einfach, weil man freier ist und sich nicht jedes Mal denkt: „Ach, das war doch mal so teuer! Das ist doch viel zu schade – ich ziehe das bestimmt irgendwann noch mal wieder an.“

Ich merke das selber ganz stark. Was nicht mehr gefällt, kommt – zack – weg, mit zum Verschenk- und Tauschmarkt oder in die Kleidertauschecke. Kein ewiges Verstauben im Keller bis man sich aufgerafft hat beim nächsten Flohmarkt auch mal selber einen Stand zu machen, kein nerviges Fotos machen für Ebay und kein ewiges Verhandeln auf Kleiderkreisel. Aus dem Schrank, aus der Wohnung, aus dem Sinn! Hallo Befreiung, hallo Minimalismus.

Grund 6: Secondhand und nicht-vegan verträgt sich.

Leder, Seide, Wolle – alles natürliche und plastikfreie Produkte. Aber leider sind sie eben nicht tierleidfrei. Kauft man die Sachen allerdings nicht neu sondern gebraucht, unterstützt man nicht die Herstellung solcher Produkte. Viele Veganer/innen sträuben sich trotzdem dagegen, weil sie sich nicht in totem Tier kleiden mögen – das kann ich verstehen. Und vielleicht kommt es bei mir auch irgendwann zu dem Punkt. Noch finde ich besonders Leder aber unglaublich schön und praktisch. Gerade bei Schuhen, ganz besonders bei Winterschuhen hat man in der Regel die Wahl zwischen Leder oder Plastik. Und da Plastik und Füße eine ganz besonders undankbare Kombi sind, kaufe ich gerne gebrauchtes Leder und kann in atmenden, ökologisch einigermaßen abbaubaren Schuhen durchs Leben stiefeln – ohne dass ein Tier explizit für mich sterben musste.

5 Gedanken zu „Warum ich Kleidung nur noch secondhand kaufe

  1. Frau Jule

    vegane schuhe aus Plastik? meine winterschuhe sind aus dickem canvas mit polsterung. nasse oder kalte füße hatte ich nie.
    ich kaufe selbst ungern second hand, weil ich immer denke: “ wenn die Leute meinen, sie bekommen aus ihren müllkäufen noch geld holen, dann hören die nie auf diesen scheiß zu kaufen. und im zweifel reinvestieren sie die verdiente Kohle auch gleich wieder es bei irgendwelchen arschlichunternehmen..“ second hand kaufen ist halt auch immer noch konsum…. aber eines nach dem anderen. vermutlich habe ich einfach nur zu viel hass auf den kapitalissmus. ;)
    liebe grüße,
    jule*

    Gefällt mir

    1. Caro

      Die hören sich aber nicht Oldenburger Winterwetter tauglich an ;) Aber woher bekommst du dann deine Kleidung? Denn Ökoklamotten zu kaufen ist ja auch Konsum. Kann natürlich schon sein, dass die Menschen das Geld für neue Fast Fashion ausgeben, aber trotzdem investiere ich irgendwie lieber in das was schon da ist und unterstütze Menschen dabei, so nichts wegzuwerfen. Und man findet ja auf dem Flohmarkt auch tolle hochwertige Ökomode wenn man Glück hat. Schöner ist es natürlich, einfach zu tauschen.

      Gefällt mir

  2. Nadine

    Like like like! Hast du schon mal den Dokufilm „True Cost“ gesehen? Allen ueber Fast Fashion und behind the scenes. Echt eye opening. Ich hatte vor Jahren auch ein shopping problem aber seit meinem zero waste switch hat sich dass komplett umgedreht. Great post!

    Gefällt mir

    1. Caro

      Ich hab schon ganz oft von der Doku gehört, sie aber tatsächlich noch nicht gesehen. Muss ich mal machen! Ich hatte aber River Blue gesehen (meine ich, gerade bin ich mir da gar nicht so sicher). Also als Shopping „Problem“ hätte ich es nicht betitelt bei mir – eher als den ganz normalen Wahnsinn… Obwohl das ja noch trauriger ist. Ja, Zero Waste hat ja so manche nette „Nebenwirkung“ :)

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s