Welche Formen des fairen Handels gibt es? | Changing the rules mit gebana

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Werbung | bezahlte Kooperation mit gebana

Fairer Handel ist nicht gleich fairer Handel. Fairtrade-Siegel, Weltläden, Direkter Handel – es gibt viele Arten des fairen Handels. Wie funktionieren sie und wie fair sind sie? Ein Vergleich.

Der faire Handel hat das Ziel, internationale Handelsbeziehungen gerechter zu machen und die Arbeits- und Lebensbedingungen von Bauernfamilien am Anfang der Lieferkette zu verbessern. So sollen u.a. Armut bekämpft, die Rechte und Gleichberechtigung der Arbeiter*innen geachtet und gestärkt werden, Kinder- und Zwangsarbeit entgegengewirkt und eine faire Entlohnung der Arbeiter*innen gewährleistet werden. 

Produkte, die als fair gehandelt gekennzeichnet sind, sind immer weiter verbreitet. Doch wie funktioniert das System überhaupt? Und wie fair ist der faire Handel wirklich? Welche Unterschiede gibt es?

Fangen wir ganz vorne an:

Wie funktioniert der faire Handel?

Allgemein funktioniert das Handelssystem so, dass Rohwaren von Erzeuger*innen eingekauft werden und dann in den Handel gehen, wo Importeur*innen, Verarbeiter*innen und Supermärkte die Preise gestalten. Außerdem wird auf jeder Stufe der Lieferkette eine Marge aufgeschlagen, damit ein Gewinn erzielt wird. Der Verkaufspreis des Endproduktes übersteigt damit den ursprünglichen Preis der Rohware um ein Vielfaches. Grundsätzlich gilt: Je weiter hinten in der Wertschöpfungskette, desto größer die Wertschöpfung, d.h. desto mehr Profit können die Akteur*innen aus dem Produkt schlagen .

Da Erzeuger*innen das erste Glied der Wertschöpfungskette darstellen, bekommen sie den geringsten Anteil. Insbesondere wenn das Produkt in Europa verarbeitet wird, findet somit nur der geringste Teil der Wertschöpfung im Erzeugungsland statt.

Im fairen Handel bekommen Bauernfamilien für ihre Rohware zusätzlich zu einem Mindestpreis eine Fairtrade-Prämie. 

Was ist daran problematisch?

Aufgrund des Aufbaus des Handelssystems bekommen die Bauernfamilien von den höheren Preisen der Fairtrade-Produkte dennoch nur den geringsten Anteil. Durch Handel erwirtschafteter Wohlstand verteilt sich dadurch sehr ungerecht.

„Damit sich der Wohlstand durch Handel gerechter verteilt, braucht es mehr Investitionen und Know-how in armen Ländern. Gleichzeitig muss innerhalb und zwischen den Ländern eine Politik entstehen, die eine gewisse Umverteilung sicherstellt. Bis das passiert, liegt die Macht in den Händen der Firmen. Wenn Ausgleich jedoch nicht zu deren Werten gehört und sie ihren Gewinn nur mit ihren Investoren teilen, dann fördern sie Ungerechtigkeit.“

gebana

Welche Formen des fairen Handels gibt es?

Der Begriff Fairer Handel ist gesetzlich nicht geschützt. Was fair konkret bedeutet, definiert daher jedes Siegel oder Unternehmen für sich. Daher gibt es in dieser Hinsicht große Unterschiede und Abstufungen.

Durchblick im Siegel-Dschungel

Fairtrade Siegel kennzeichnen einzelne fair gehandelte Produkte konventioneller Unternehmen, die die Standards der Siegelorganisation beachten. Es existieren viele unterschiedliche Fairtrade Siegel. So haben einige Unternehmen eigene Siegel entwickelt, welche ausschließlich auf unternehmenseigene Produkte aufgebracht werden (z.B. GEPA+). Es gibt Fairtrade Siegel von Supermarktketten, die aber auch nur durch sie verwendet werden z.B. Fairglobe bei Lidl. Unternehmensübergreifend vergebene Siegel sind z.B. das Naturland fair, fair for life und das bekannte und mit am weitesten verbreitete blau-grün-schwarze Fairtrade-Siegel, in Deutschland vergeben durch den Verein TransFair.


Die verschiedenen Siegel stellen unterschiedliche Kriterien an den fairen Handel und setzen diese mit unterschiedlicher Konsequenz um. Als Konsument*in sollte man sich daher gut über die Aussagekraft einzelner Siegel informieren.

Hilfreich dabei sind z.B. Siegel-Vergleiche:


Siegel wie z.B. das Fairtrade-Siegel von TransFair und Naturland fair decken laut der oben genannten Siegelvergleiche vielfältige Kriterien ab und werden darin als aussagekräftig und vertrauensvoll bewertet. Durch ihre Verbreitung in Supermärkten tragen Siegel zudem dazu bei, den fairen Handel in der breiteren Bevölkerung bekannter zu machen. Dies kann aber wiederum auch dazu führen, dass sich mit als fair gekennzeichneten Produkten ein gutes Gewissen gekauft wird, ohne sich weiter damit auseinanderzusetzen, was eigentlich hinter der Kennzeichnung steckt.

Das grundsätzliche Problem der Fairtrade Siegel ist nämlich, dass durch sie ausschließlich die Produkte zertifiziert werden. So stellen sie zwar Mindeststandards sicher, haben jedoch keinen Einfluss auf Firmenpolitiken oder die Verteilung der Wertschöpfung. Ein gesiegeltes Produkt garantiert also nicht, dass sich das Unternehmen allumfassend für die Verbesserung des fairen Handels einsetzt. 

Fair als Unternehmensphilosophie

Fair-Handelsunternehmen sind Unternehmen, die ausschließlich im fairen Handel aktiv und mit dem Fairhandels Siegelder World Fair Trade Organization (WFTO) zertifiziert sind. Im Gegensatz zu Fairtrade Siegeln wird bei der Vergabe des WFTO Labels das gesamte Unternehmen überprüft, von der Produktion zum Verkauf (inkl. Unternehmensstruktur, Businessmodell und Lieferketten), und nicht nur einzelne Produkte. Fair-Handelsunternehmen sind z.B. lokale Weltläden oder Unternehmen wie gebana, GEPA, weltpartner oder El Puente.

Die Kriterien für fairen Handel richten sich nach denen der World Fair Trade Organization (WFTO), meist ergänzt um weitere individuelle Kriterien des Unternehmens. Auch wenn deutlich weniger Kriterien abgedeckt werden als vom Fairtrade-Siegel, werden Anspruch und Glaubhaftigkeit in Siegelvergleichen ebenfalls als gut bewertet. Quelle

Direkter Handel am Beispiel von gebana

Unternehmen, die direkten Handel betreiben, verfolgen das Ziel, über langfristige Partnerschaften mit Erzeuger*innen die Wertschöpfung für Bauernfamilien zu erhöhen. Dank der direkten Beziehung und durch regelmäßig stattfindenden Austausch, kann gemeinsam an Lösungen für ökologische und soziale Problemfelder gearbeitet werden. 

Ein Beispiel für fair(er)en und direkten Handel ist das Unternehmen gebana. In den 70er Jahren aus einer Schweizer Bewegung für einen gerechteren Welthandel entstanden, steht gebana heute für Produkte wie frische Südfrüchte, Trockenfrüchte, Nüsse, Öle etc. aus ökologischer Erzeugung in saisonaler Direktvermarktung. 

„Mehr Nachhaltigkeit, mehr Gerechtigkeit und mehr Qualität zu bezahlbaren Preisen: Wir handeln anders, Sie kaufen anderes ein.“

Leitgedanke von gebana

Ökologisch sinnvolle Lieferketten

Bei gebana werden die Früchte geerntet, wenn sie reif sind (ohne beheizte Gewächshäuser, ohne gekühlte Zwischenlager), im Erzeugungsland verpackt und dann direkt per Post an Konsument*innen geschickt. Um Abfall und Transportwege zu sparen, handelt es sich hierbei meist um größere Verpackungseinheiten wie z.B. 1kg Cashewkerne oder 1 Kiste mit 13kg Orangen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für uns Konsument*innen, da wir so frische und schmackhafte Früchte erhalten.

Changing the rules: Fairer über die gesamte Produktionskette hinweg

gebana hat sich zum Ziel gesetzt, den durch Handel erwirtschafteten Wohlstand fairer über die gesamte Wertschöpfungskette zu verteilen. 

Dazu ändert gebana die Regeln des Handelssystems: 

„Wir stellen die handelsübliche Preisberechnung auf den Kopf und zahlen den Bauernfamilien zusätzlich zu Einkaufspreis, Bio- und Fairtrade-Prämien 10 Prozent des Verkaufspreises in unserem Online-Shop. Dieses Modell führen wir nach und nach ein. Wenn wir Gewinn erwirtschaften, teilen wir ihn zu gleichen Teilen mit allen Mitarbeitenden weltweit sowie mit Kundinnen und Investoren.“

gebana

So wird ein viel größerer Teil vom Mehrpreis, welchen Konsument*innen zahlen, an die Erzeuger*innen weitergegeben als durch bloßes Aufrechnen einer kleinen Prämie im Ursprung.

gebana ändert die Regeln, wir als Konsument*innen helfen aktiv dabei mit. Einerseits durch die Auseinandersetzung mit relevanten Themen und konsequentes Einkaufen. Andererseits werden wir direkt mit einbezogen, z.B. durch Crowd-Projekte, wodurch neue Projekte und Unternehmungen umgesetzt werden können. Aber auch durch die Verpackungsgrößen, die uns zum Teilen und zu Sammelbestellungen mit Familie, Nachbar*innen oder Freund*innen anregen. 

Mit dem Rabattcode „AK_einbisschengruener21“ erhaltet ihr 10€ Rabatt auf eine Bestellung ab 40€ Mindestbestellwert im gebana Online-Shop (gültig bis 31.12.2021).

Länder, die nur Rohstoffe exportieren bleiben arm – die größte Wertschöpfung entsteht durch Verarbeitung. Darum investiert gebana ganz bewusst in risikoreiche und finanzschwache Regionen. So können dort Firmen und eine Verarbeitung vor Ort aufgebaut werden, die die Wertschöpfung steigern und langfristig durch einen lokalen Verkauf auch unabhängig vom Export durch gebana bestehen können.

Darüber hinaus werden Informationen, Macht und Kontrolle geteilt: Geschäftszahlen werden veröffentlicht, ebenso wie Informationen über Probleme und Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Projekten. Außerdem werden Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Bauernfamilien geschaffen.

gebana setzt sich dafür ein, dass die Bauernfamilien einen größeren Teil ihrer Ernte verkaufen können. Mit der Aktion #EchteOrangen engagiert sich gebana z.B. gegen sinnlose EU-Normen für Zitrusfrüchte, um den Ausschuss an Orangen zu vermindern. So können griechische Orangenproduzent*innen nun einen deutlich höheren Teil ihrer Ernte exportieren und damit zu höheren Preisen vermarkten.

Fairer Handel, wie er von gebana umgesetzt wird. (Durch Klick auf das Bild erfolgt eine Weiterleitung zum YouTube Video)

Was gebana besonders macht:

  • Aufbau eigenständiger Unternehmen an risikoreichen Orten, um Arbeitsplätze zu schaffen und lokale Wertschöpfung zu fördern
  • Direkter Kontakt zu Bauernfamilien, somit Austausch, Schulungen und direkte Bezahlung
  • Umsatzbeteiligung der Bauernfamilien: 10% des Verkaufspreises des Direktversands gehen an Bauernfamilien, die gebana beliefern (aufgrund des hohen organisatorischen Aufwands konnte dies noch nicht für das gesamte Sortiment umgesetzt werden, ist aber in Arbeit)
  • Ökologisch sinnvolle Lieferketten: direkteste Logistik, Großpackungen, saisonale Produkte auf Vorbestellung

Damit setzt sich gebana als gesamtes Unternehmen für einen faireren Handel ein. Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit können so sukzessive, dynamisch und in gemeinschaftlichem Austausch gesteigert werden – denn fairer Handel ist ein Prozess. gebana ist WFTO-zertifiziert, mit seinem besonderen Geschäftsmodell geht gebana aber über Mindeststandards von Siegeln oder Fair-Handelsunternehmen noch hinaus. 

„Mein Traum ist es, dass vom Bauern bis zum Kunden alle um einen Tisch sitzen und den Preis verhandeln.“

Ursula Brunner – Fairtrade-Pionierin & Mitgründerin der gebana AG

Fazit 

Jegliche Form des fairen Handels kann und sollte guten Gewissens unterstützt werden. 

Alle Formen des fairen Handels haben ihre Berechtigung und durch die Bestrebungen des fairen Handels konnte bereits viel erreicht werden (Quelle):

  • Höhere Einkommen und mehr Planungssicherheit für die Erzeuger*innen durch Preisregelungen 
  • Finanzierung von Gemeinschaftsprojekten durch Fairtrade-Prämie
  • Verbesserung von Arbeitsstandards und -bedingungen

Gerade Siegel tragen durch ihre Verbreitung dazu bei, die breitere Masse an Verbraucher*innen auf das Thema fairer Handel aufmerksam zu machen. Aber: Durch das konventionelle Handelssystem bekommen die Erzeuger*innen nicht viel von den höheren Verkaufspreisen von Fairtrade Produkten ab. Unternehmen wie gebana wollen das System an der Wurzel verändern und gehen neue Wege. Damit sich diese durchsetzen, braucht es Kund*innen wie uns. Gemeinsam ändern wir die Regeln!

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